Kultur im oder mit dem Alltäglichen - DIREKT, IRONISCH, LAUT

Pop-Art Spektakel in Mainz, der Künstler Oliver Sport Art mit seinen aktuellen Werken im Kunstverein Peng. Eine kurze Rückschau.

Bist du Popper oder Punker, folgst du dem Mainstream oder einer Subkultur? Ja die Jahrzehnte vor dem Jahrtausendwechsel – wie waren diese in ihren Statements plakativ eindeutig. Als Kind der 80iger wurde ich früh mit der Frage konfrontiert bist du Popper oder Punk. Meine ersten Punks habe ich 1982 in London auf dem Piccadilly Circus gesehen. Die rheinhessische Provinz kannte davon nur wenige. Man spielte eher mit den Mode-strömungen, ohne direkt in die eine oder in die andere intensiv abzutauchen (vielleicht fehlte dazu aber auch einfach nur der Mut).

Sind wir nicht alle irgendwie, verstrickt mit einer Populärkultur, die wir gerne auch einmal subversiv bis ironisch verwenden.

Laut Duden ist die Populärkultur – auch als Popkultur bezeichnet – eine künstlerische Auseinandersetzung mit Erzeugnissen und Alltagspraktiken, die vor allem seit dem 20. Jahrhundert im Zuge der gesellschaftlichen Modernisierung als Massenkultur eine Verbreitung fanden.

Die Etablierung des Massenkonsums war hierbei der entscheidende Schlüsselfaktor. Und die Spirale des Konsums dreht und dreht sich rasant weiter. Auch das Marketing wird für die Kunst immer wichtiger, wie man jetzt auch mit der Shredderaktion der Banksky Kunst in der s. g. Hochkulturszene gesehen hat. Pop-Art ist schön anzusehen. 2014 griff die Kunsthalle Schirn dies mit einer umfassenden Kunstschau "German Pop" auf. Ich erinnere mich noch gut an den Tag meines Ausstellungsbesuches, der Tag schloss mit einer Party und mit meinem drängenden Verlangen einmal auch ein Pop-Art-Bild zu malen … so entstand noch in der Nacht mein Werk „Alien kissed Hipster“ das demnächst ab dem 18.10. in Alzey zu sehen ist. 

Was Pop-Art ausmacht, brachten die Frankfurter Ausstellungsmacher damals mit der Überschrift schön zum Ausdruck: DIREKT, IRONISCH, LAUT.

Und dies war nun auch wieder in Mainz so. Dort wurde regelrecht mit einem Pop-Art Spektakel dem Thema Tribut gezollt. Der Mainzer Künstler und Musiker Oliver Sport Art bespielte bis 13.10. das alte Rohrlager in Weisenau – also im aktuellen Domizil des Mainzer Vereins "Peng". Gekoppelt mit mehreren Events, so auch einer Rap-Night.

Akte, riesige Piktogramme, feministische Motive, Mediendesign wie auch Gegenständliches erwartete die Besucher der übergroßen Werkshalle im südlichen Mainz. Eine wunderbare Einladung zum Großformatigen, wie es der Künstler selbst sagte. Diese Gelegenheit konnte er sich nicht entgehen lassen, so ist ja auch Pop-Art ein Kunststil, der sich gerne auf überdimensionalen Abbildungen ausdrückt.

Pop-Art, die Mitte der 1950er Jahre unabhängig voneinander in England und den USA entstand, und in den 1960er Jahren zu einer vorherrschenden künstlerischen Ausdrucksform der westlichen Welt wurde, erlebte in Mainz ein schillerndes Revival.

Besonders gefallen haben mir die Collagen mit den unzähligen Zigarettenschachteln, die der Künstler nach eigenem Bekunden vor einem Krankenhaus eingesammelt hat (oder selbst konsumiert hat!?!).

Kunstkonsum schädigt auf jeden Fall nicht direkt die Gesundheit. 

 

Pop Art beschäftigt sich aber nicht nur mit  den nach dem Zweiten Weltkrieg (wieder) erlangten Wohlstand und die damit verbundene Konsumgesellschaft, sondern nimmt auch gerne kritischere Haltungen ein. Diese ist auf Geschehnisse wie den Vietnamkrieg, Rassenunruhen und den steigenden Drogenkonsum in den USA in den 1960er Jahren zurückzuführen, da sie die Verwundbarkeit dieser scheinbar perfekten kalkulierten Wohlstandsgesellschaft aufzeigten. Heute eigentlich aktueller denn je. So sieht man auch in der laufenden Mainzer Schau kritische Anleihen, wie z. B. eine Collage mit unzähligen Bildern aus der NS-Zeit, die eindrücklich ausmachen, das einzelne Handlungen, Positionen, Statements hinsichtlich einer unreflektierten Unterstützung von totalitärem Gehabe zu einem übergroßen Bild zusammenwachsen können. Und das Bild, das aus einer Gesamtperspektive diesbezüglich zu erkennen ist – ist Warnung pur: Das Konterfei von Adolf Hitler.